Endlich Bremen
endlich wieder im heimatlichen Norden. Ich hatte es ja bereits erwähnt, dass ich die Aufnahmeprüfungen in Bremen bestanden hatte und ab Oktober hier studieren würde. Daher war es im Oktober hier auch etwas ruhiger, denn ich Stecke im Umzugsstress, NeuesStudiumStress, WirHabenJetztEineFernbeziheungsStress und alles noch zusätzlich erschwert durch IchHabeKeinInternetStress. Anscheinend, selbst wenn man sich das Internet nicht von der Telekom bestellt, schafft es die Telekom Probleme zu verursachen. So lag ich im Übertragenen Sinn den ganzen Oktober in Bremen auf dem Trockenen. Gut, dass ich noch die Artikel von Thomas Voigt in der Hinterhand hatte.
Dafür gibt’s jetzt ein paar neue Sachen. Der Text rechts hat sich verändert, die Artikel über Schuhe und dem Jody DV haben jetzt Bilder, es gibt jetzt eine Kategorie für nicht Saxophonisten, in der Linkliste sind nun auch (wie es nun leider überall Usus ist, deshalb auch hier) die sozial networks gelistet und ich habe die Artikel nun mal mit Tags ausgestattet (mal sehen, ob das zu mehr Googletreffern führt).
Für mich gibt’s nun auch viel in Bremen. Das Musikstudium an der HfK Bremen scheint viel versprechend. Für das, was vorher Hobby war und viel Geld für Unterricht verschlang, bekomme ich nun CreditPoints. Von meinem neuen Saxophondozenten Dirk Piezunka werde ich auch eine Menge mitnehmen können.
Ansonsten bin ich noch auf der Suche nach neuen Bands und Projekten hier. Ein paar Sachen habe ich zwar schon an der Hand, aber mal schauen, was noch so kommt.
Was jetzt auf jeden Fall diesen Monat noch erscheint, ist der finale Teil des ultimativen Saxophonstarterquides. Der schon angekündigte Erfahrungsbericht zu meiner schlimmste Mucke, wird wohl doch noch dauern. Das Trauma sitzt anscheind tiefer als gedacht. Mit etwas Glück bekomme ich vielleicht noch einen schönen Testbericht zu den neuen Branchersaxophonen von einem weiteren Gastschreiber. Ansonsten muß ich mal schauen, was mir noch so einfällt.
In diesem Sinne, noch alles gute und viel Spaß beim Lesen
Euer Tobias
Der Hals (von Thomas Voigt)
hier nun die zweite Lektion von Thomas Voigt:
Hallo!
Nachdem ich bereits etwas zum Thema Atmung geschrieben habe, möchte ich nun in dieser Lesson einiges zum Thema Halsstellung loswerden.
Wir gehen als Grundvoraussetzung davon aus, dass die Luft aus dem Zwerchfell ins Instrument geblasen wird. Nun müssen wir darauf achten, dass wir uns an der engsten Stelle im Körper nicht alleine den Hahn abdrehen. Das ist vielleicht gut mit folgendem Bild vorstellbar: Ein Gartenschlauch ist an einen Wasserhahn angeschlossen. Der Wasserhahn ist aufgedreht und es bestünde theoretisch die Chance, dass das Wasser ungebremst durchfließen könnte. Nun kommt irgendein Spaßvogel und knickt den Schlauch mittig ab. Das Wasser kann nun nicht mehr mit seinem vollen Volumen durch den Schlauch fließen.
Unser Hals ist in diesem Fall mit dem abgeknickten Schlauch gleichzusetzen. Gerade im Hals im Bereich des Kehlkopfes befindet sich die engste Stelle unseres Körpers. Wir benötigen nun eine Einstellung am Kehlkopf, die einen guten Luftfluss garantiert. Wir bedienen uns da der Selbstlaute. Die deutschen Selbstlaute „a, e, i, o, u“ sind für diesen Zweck aber nicht zu gebrauchen, da sie sich von ihrer Lautbildung her eher von der Klangfarbe im Mund bilden und nicht primär im Hals. Übung 1: sprich deutlich mit geöffnetem Mund die Laute „a, e, i, o, u“.
Wir gehen in die englische Sprache zu dem Wort „I saw“ -> „ich sah“. Der Laut von dem Wort „aw“, richtig gesprochen, bildet sich weit hinten im Hals. Übung 2: sprich den Laut „a“ und verändere diesen Laut hin zu dem Laut „aw“. Dabei sollte sich der Hals weiter öffnen und der Kehlkopf verschiebt sich dabei etwas nach unten. Diese Übung sollte nur soweit trainiert werden, wie es sich „gut“ und „angenehm“ anfühlt, da man bei einer Übertreibung einen Brechreiz herbeiführen kann.
Nun ist es eine Sache, den Hals offen zu machen, aber eine andere, dies noch in Kombination mit dem Instrument zu machen. Hierzu möchte ich zuerst erklären, warum ich es für sinnvoll halte, auf diese Art und Weise Saxophon zu spielen: In der Sprache bilden wir unterschiedliche Tönhöhen über die Kehlkopfstellung. Sprechen oder singen wir nun eine Tonleiter aufwärts, wird der Hals enger, der Kehlkopf bewegt sich nach oben. Sprechen oder singen wir eine Tonleiter abwärts, wird der Hals offener und weiter, der Kehlkopf bewegt sich wieder nach unten.
Viele Saxophonisten machen leider den Fehler, dass sie bei einer musikalischen Aufwärtsbewegung eben nicht nur die Finger entsprechend bewegen, sondern – völlig ohne Grund – den Kehlkopf in der Art des Singens mit nach oben bewegen. Und wer kennt nicht das Ergebnis: die hohen Töne klingen eng und gequetscht. Spielt man eine Abwärtsbewegung, so hat das plötzlich den gegenteiligen Effekt. Und auch hier (wer kennt das Ergebnis nicht): die tiefen Töne sind zu tief.
Beim Stimmen mit dem Stimmgerät erleben wir nun folgendes Phänomen: die hohen Töne sind zu hoch und die tiefen Töne sind zu tief! Ein weiteres Problem ist, dass man, je nachdem, welche Töne man spielt, ob eher höhere oder tiefere Töne, mit der „normalen“ Blastechnik nicht weiter kommt. Der Spieler fängt an, Modifikationen an sich selbst vorzunehmen. Als Begründung kommt dann oft: „aber ich muss doch die Lippen lockerer lassen, damit die tiefen Töne kommen“ oder „ich muss mit festerem Biss an das Mundstück gehen, damit die hohen Töne kommen“.
Mit „meiner“ Blastechnik (Zwerchfellatmung, offener Halsstellung „aw“ und einem klassischen Ansatz) kann ich alle Töne auf dem Saxophon spielen, ohne etwas verändern zu müssen, um einzelne Töne überhaupt anspielen zu können. (Anmerkung am Rande: selbstverständlich korrigiere ich auch einzelne Töne bei verschiedenen Instrumenten, aber hier handelt es sich um das Ausgleichen von produktionsbedingten Defiziten von Instrumenten!)
Ich empfehle nun folgende Übungen in Kombination mit dem Instrument:
- Singe den Laut „aw“;
- Singe den Laut „aw“ und nimm dabei das Instrument in den Mund – hierbei ist darauf zu achten das sich der gesungene Ton nicht von „aw“ zu „a“ verändert, verschließe beim singen komplett das Mundstück mit den Lippen;
- Drücke während des Singens des Lautes „aw“ soviel Luft vom Zwerchfell ins Instrument, das zu dem gesungenen Laut ein gespielter Ton hinzukommt. In diesem Moment hört man eine Zweistimmigkeit von gesungenem und gespieltem Ton. Der gespielte Ton „scheppert“ allerdings dabei ein wenig.
- Blase nun den gespielten Ton ohne Unterbrechung weiter, beende nun lediglich das parallele Singen. Der gespielte Ton stabilisiert sich im Optimalfall sofort und man hat einen geraden, vollen und voluminösen gespielten Ton.
- Der damit geübte Spieler kann nun zur eigenen Überprüfung jederzeit beim Spielen den Laut „aw“ dazu singen um damit die eigene Halsstellung offen zu halten.
Ich gebe zu, dass das eine Übung ist, die nicht jedem Spieler auf Anhieb gelingen wird, die aber gewaltige Auswirkung auf die Tonqualität hat!
Viel Erfolg und Schöne Töne!
Jody Jazz DV – das Mundstück mit dem goldenen Schnitt
Diejenigen, die meine Mundstückodysee gelesen haben, wissen, dass ich dieses Mundstück regulär eigentlich gar nicht mehr spiele, aber nicht, weil es ein schlechtes Mundstück – im Gegenteil -, sondern weil es mir und meinen Soundvorstellungen nicht mehr so passte. Da es jedoch ein hervoragendes Mundstück, eigentlich noch recht neu auf dem Markt, auf ein revolutionäres (ob, das wirklich so ist, soll hier geklärt werden) Prinzip basiert und zudem mit das teuerste Mundstück (neu), was man auf dem Markt kaufen kann, ist, dachte ich mir, dass sich ein Test lohnt.
Jody Espina war sozusagen bei Runyon in der Lehre und schnitzt schon seid einiger Zeit sehr gute Mundstücke. Den Lehrmeister kann man z.B. daran erkennen, dass Espinas Mundstücke Classic und ESP mit einem Spoiler, den man schon von Runyon kennt, ausgerüstet sind. Besonders mag ich die Jazz HR Mundstücke (HR steht für HardRubber, also Kautschuk), die ich für sehr gute Allrounder zu einem vernünftigen Preis halte und gerne Anfängern und Fortgeschrittenen empfehle. Ich spiele dieses auf dem Sopran und auf dem Tenor habe ich es mir mal geliehen gehabt und war sehr angetan.
Vor ca. 3 Jahren brachte Herr Espina das Jody Jazz DV herraus, das für etwas Aufsehen erregte, da es doch in einigen Aspekten sehr ungewöhnlich ist, nicht zu letzt im rekordverdächtigen Preis von 400 Euro. Das erinnert ein wenig an die Dave Guardala Mundstücke.
Das Jody Jazz DV ist wie die Guardalas ein Metallmundstück mit ausgeprägter Stufe und bietet somit einen modernen lauten Rock/Funk/Pop-Sound welcher sich seit den 80zigern seinen Erfolgszug feiern. Angefangen hat es mit den Dukhoff Mundstücken (populär durch den Sanbornsound) und auch die Hawk und Berg Larsen Mundstücke schlagen in die Richtung. Inzwischen gibt es viele Mundstückmarken, die Metallmundstücke mit kleinen Kammern und steilen Stufen anbieten: Lebayle, Brancher, Beechler, Lawton, Vandoren, Ponzol, Theo Wanne usw. usw.
Früher war ich ein Fan davon, heute nicht mehr so, denn gerade die kleine Kammer und die steile Stufe machen diese schwer zu beherrschen (Intonation und voluminöser Sound). Zudem habe ich persönlich ein Problem mit der schlanken Außenform (genaueres dazu steht in der Mundstückodysee). Oft habe ich schon erlebt, dass sich Spieler mit diesen Mundstücken überschätzt haben und dass allgemein häufig Lautstärke mit Klangqualität verwechselt wird.
Die Guardalas sind ein Spezialfall, da sie die lautesten und teuersten sind (und deshalb auch oft für die besten gehalten werden). Sein Bartionmundstück kostete damals neu 1000 Dollar. Merkwürdigerweise zog sich Dave Guardala zurück, tauchte quasi unter worauf die Preise für seine noch handgefacten Mundstücke auf über 1000€ steigen (seltsamerweise kosten die Lasertrimmed (also exakter) nur um die 500. Wieder einmal richtet sich der Preis wahrscheinlich eher nach Seltenheit und Mythos. Vor ca. zwei Jahren wurde der Dave Guardala wegen Betruges am Frankfurter Flughafen festgenommen. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Ich nehme an, dass das nicht förderlich für den Mythos seiner Mundstücke und deren Preise ist. Das Thema ist zwar sehr nebensächlich für den DV Test, wer darüber aber mehr wissen möchte kann hier nachlesen.
Zurück zum Jody Jazz DV. Das DV steht für da Vinci und soll somit auf den goldenen Schnitt verweisen, der beim Design des Mundstückes verwendet wurde und deshalb das Mundstück so heraus ragend machen soll. Der Goldene Schnitt ist eine mathematische feste Größe und beschreibt ein Verhältnis: a/b=1,618033988… . Dieses Verhältnis taucht in Technik, mathematischen Figuren, Architektur, Kunst und selbst in der Natur auf und beschreibt ideale Proportionen, die oft mit Harmonie und Ästhetik verbunden werden. Dies ist wirklich ein großes Thema, weshalb ich hier jetzt einfachheitshalber auf den dementsprechenden Wikipediaartikel verweise.
Diese goldenen Proportionen dienten als Grundlage für die „perfect chamber/bore/facing combination“. Wie das genau aussehen soll und was damit gemeint ist erschließt sich mir nicht ganz. Die an sich hervorragende Idee dazu kam Herrn Espina soweit ich weiß eher profan beim Lesen von Dan Browns „der DaVinci Code“. Zweifellsfrei ist das DV ein sehr gutes Mundstück, ob das nun an dem goldenem Schnitt liegt oder das nur eine gute Marketingidee ist, bleibt wohl unbeantwortbar.
Das Mundstück wird in einer schicken und ökologisch einwandfrei aussehenden Holzschachtel geliefert. Dabei sind noch ein schöner schwarzer Samtbeutel und eine Rovner Dark Schraube. Persönlich halte ich nicht viel von der Kombination modernes lautes PopFunkRock Mundstück und Lederblattschraube, da es die Qualität dieser kleinkammerigen steilstufigen Mundstücke ist, dass sie viele hohe, helle und durchdringende Frequenzen erzeugen und die weichen Gewebebandschrauben genau diese Frequenzen wegfiltern. Ich habe Herrn Espina auf der Frankfurter Musikmesse mal darauf angesprochen und der sieht es eigentlich ähnlich wie ich. Er hat sich jedoch für die Rovner entschieden, weil die die Mundstücke nicht zerkratzen kann. Wäre doch schade um die teure 24k Vergoldung.
Und da kommen wir auch zum ersten Kritikpunkt. Das Plating der Vergoldung scheint nicht das beste zu sein, denn dieses wurde durch eine Kukidentkur, mit der ich ab und zu meine Mundstücke und Kunststoffblätter reinige, angegriffen und löste sich minimal ab. Bei einem guten Plating hätte das nicht passieren dürfen.
Dennoch sieht die Vergoldung sehr schick aus und auch sonst ist das Mundstück ein schöner Hinkucker (noch ein Grund gegen die wuchtige Rovnerblattschraube). An den Seiten ist ein Phi eingelassen, das mathematische Symbol für den goldenen Schnitt. Auch die Bissplatte trägt das Symbol.
Das Dach ist im Duckbill-Stil gehalten und ist daher sehr flach. Für manche Spieler mag das etwas ungewöhnlich sein. Ich selber nehme das Mundstück daher sehr weit in den Mund und Stoße daher manchmal mit meiner Oberlippe an die Kante des Mundstücks.
Das Innenleben ist in der Tat sehr besonders, fast schon kurios. Das Fenster hat eine Deep-V Form bzw „second window“, was sehr selten auf dem Mundstückmarkt ist. Ich habe das seriell nur noch bei Rovnermundstücken auch so gesehen. Diese Fensterform führt Herr Espina auf die längenverhältnisse des goldenen Schnitts zurück. Die Kammer ist für ein MetallPowerMundstück relativ groß, die Wände relativ dünn, der Einlauf recht flach. Auch die Stufe ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise gibt es nur runde Baffels, eine gerade Stufe oder eine Bulletstufe. Natürlich hat sich Jody Espina diese ganzen „Features“ patentieren lassen.
Das ganze Mundstück Mundstück ist wirklich hochwertig und exakt verarbeitet (bis auf das Goldplating). Es wird soweit ich weiß mit einer modernen CNC-Fräse hergestellt, dann nochmal per Hand nachkontrolliert und nach Herstellerangaben noch einmal von Herrn Espina persönlich ein letztes mal angespielt.
Somit ist das Handling auch auf hohem Niveau. (Wie gesagt, halte ich solche Mundstücke für alles andere als einfach zu beherrschen. Das heißt aber nicht, dass die Performance des Mundstücks schlecht ist. Das ist wie bei einem Rennwagen, höchst Performance, aber für den normalen Fahrer kaum zu beherrschen) Es spricht aufgrund des flachen Einlaufs sehr schnell an. Das Altissiomo kommt tadellos und selbst die Tiefen streiken nicht. Wenn man solche Mundstücke beherrscht ist auch die Skala recht ausgeglichen. Über eine bei dem Preis selbstverständliche gute Intonation brauchen wir gar nicht reden.
Ich habe auch sehr schöne Ergebnisse mir Tenorblättern auf dem Altomundstück erziehlt. Das lange Fenster scheint dies zu begünstigen.
Nun zum eigentlich wichtigsten: Wie kling das DV? Ich habe es damals trotz des Preises gekauft, weil es das beste Metallmundstück war, dass ich bisher gespielt habe. Das sehe ich heute nicht wirklich anders. Es stand bei der damaligen Kaufentscheindung in direkter Konkurenz zu einem Handmade Guardala Super King.
Fürs erste ist es unglaublich laut. Eines der lautesten Mundstücke die ich kenne. Und auch in Sachen Projektion kann es mit den Guardalas mithalten. Wer also gegen viele Trompeten oder E-Gitarren antreten muß, für den ist das genau das richtige. Ich konnte mich damit Problemlos gegen ein 50zig köpfiges Blasorchester durchsetzen. Trotzdem ist das DV nicht schrill und dünn, was bei dieser Art von Mundstücken keine Selbstverständlichkeit ist. Das interessanteste ist aber, dass es trotz der riesen Stufe noch starke ausgeprägte tiefe sonore Frequenzen hat, die fast an einen Tenorsound erinnern lassen. Herr Espina erklärt das durch das extra lange Fenster, dass den Sound resonanter macht. Diese Tiefen waren es, die das DV für mich besonders gemacht hat und weshalb ich es mir am Ende gekauft habe. Quasi ein modernes Pop/Rock/Funk MPC mit „Charakter“.
Vor fast zwei Jahren hat dann Jody Espina noch das DV NY rausgebraucht (kryptischer geht es kaum noch, womit wir wieder bei Dan Brown wären). Es hat einen weniger flachen Einlauf und steile Stufe und eine größere Kammer (was natürlich die Frage nach den sich bedingenden Proportionen des goldenen Schnitts aufwirft), hat somit einen dunkleren weicheren Ton und ist deshalb das „Vintage Mundstück“. Ich habe es leider nur sehr kurz antesten können und kann daher hier nicht mehr dazu sagen. Für mehr Infos verweise ich auf die gut gemachte und informative Herstellerseite von Jody Jazz.
Kommen wir endlich zum Fazit. Ich kann das Jody Jazz DV bedenkenlos fortgeschrittenen und erfahrenen Spielern empfehlen, die einen modernen durchsetzungsfähigen Sound suchen und das nötige Kleingeld haben. Es ist definitv ein Prachtstück, mit dem man im Saxophonsatz angeben kann. Ansonsten muß ich allerdings sagen, dass es viele Mundstücke gibt, die in dieser Richtung ähnliches bieten und auch hervorragend sind, aber längst nicht so viel kosten.
PS: tut mir leid, aber auf dieschnelle konnte ich das Mundstück nicht besser reinigen, weshalb es auf manchen Bildern vielleicht nicht ganz so schnieke aussieht. Naja, aber Jazzer spielen ja eh nie auf sauberen Instrumenten.
saxophonistische Talente der etwas anderen Art
Zum Abschluß noch ein ganz besonderes Talent. Da man dieses nicht einbetten darf, hier nur der Link.
Falls ihr gute Videos habt, die hier reinpassen, bitte als Kommentar posten.
Atmung (von Thomas Voigt)
Wie angekündigt die erste Lektion von Thomas Voigt:
Hi!
Genauso wie jeder Sänger oder Bläser eines anderen Blasinstrumentes benötigt der Saxophonist ebenfalls eine gute Atemtechnik. Da die Atemtechnik ein sehr umfangreiches Thema ist, möchte ich mich deshalb nur auf einige wenige Tipps beschränken. Ich versuche hierbei mit Begriffen zu arbeiten, die jedem ermöglichen das Erklärte zu verstehen.
Bevor man sich mit der Atmung in der Kombination mit dem Instrument beschäftigt, sollte man sich mit verschiedenen Atemübungen beschäftigen. Auch im Unterricht sollten Lehrer und Schüler keine Hemmungen haben, sich für Atemübungen flach auf den Rücken zu legen und das Atmen in das Zwerchfell (in den „Bauch“) zu üben. Dabei sollte man entspannt immer durch den geöffneten Mund ein- und ausatmen, damit sich der Bauch durch die Atmung hebt und senkt. Ohne irgendwelche Zusätze zuerst nur atmen.
Erst in den nächsten Versuchen sollte man mal die Luft anhalten und zu einem späterem Zeitpunkt auch dosiert ein- und ausatmen. Kann man das schon ohne Instrument nicht, wird man das mit dem Saxophon erst recht nicht schaffen!
Regelmäßige Atemübungen sind mit die wichtigsten Grundlagen für das Saxophonspiel. Diese kann man später durchaus im Stehen und im Sitzen parallel zu vielen anderen Tätigkeiten trainieren. Ich empfehle gerne das Arbeiten mit diesen gelben Klebezetteln: es gibt viele Bereiche im Alltag, an denen man etwas macht, wobei die Aufmerksamkeit nicht so stark gefordert ist, das man nicht noch konzentriert dabei atmen könnte. Ich denke da z.B. vor dem Kleiderschrank, an der Nachttischlampe, am Badezimmerspiegel usw. – wer sich von Freunden oder Verwandten hier solche Klebezettel anbringen lässt „sucht“ nach solchen und könnte bei jedem Zettel 3 x konzentriert in den Bauch atmen. Je selbstverständlicher diese Form der Atmung bereits ohne Instrument wird umso leichter wird einem diese Atmung in Kombination mit dem Instrument fallen.
In manchen Saxophonschulen steht, dass nach dem Einatmen die Schultern fallen gelassen werden sollen. Ist es aber beim Einatmen überhaupt dazu gekommen, dass die Schultern angehoben wurden, wird die Luft nicht dadurch an die richtige Stelle verschoben, indem man bloß die Schultern fallen lässt. Sind die Schultern durch das Einatmen angezogen worden, sollte man meiner Erfahrung nach komplett wieder ausatmen und so in den Bauch einatmen, dass sich die Schultern gar nicht erst anheben.
Um sich selbst zu überprüfen, rate ich jedem Musiker das Atmen vor dem Spiegel zu üben. Beim Ausatmen ist darauf zu achten, dass der Luftschub, der später die Luftsäule im Instrument steuert, gleichmäßig ist. Nur so ist ein konstanter Ton gewährleistet. Der Ton des Instrumentes wird in erheblichem Maße durch diese Atmung gebildet! Beim Spielen mit dem Instrument ist darauf zu achten, dass sich beim Einatmen nur die Oberlippe anhebt und sich nicht der ganze Mund öffnet, denn dadurch verrutscht der Ansatz.
Atemübungen in drei Schritten:
Ohne Instrument auf dem Rücken liegen, ohne die Beine übereinander zu schlagen und ohne die Arme hinter dem Kopf zu verschränken:
1. durch den geöffneten Mund ein und ausatmen;
2. durch den geöffneten Mund einatmen – Luft anhalten – mit den Händen mal die „Spannung“ des Körpers fühlen und erkennen, wie weit nach „unten“ oder wie weit in die „Seiten“ man einatmen kann – anschl. Ausatmen nicht vergessen!
3. durch den geöffneten Mund einatmen – Luft kurz anhalten – nun den Mund soweit öffnen, das der Luftwiderstand beim Ausatmen ähnlich dem beim Saxophonspielen ist!
Schöne Töne!
Thomas Voigt
Ich lernte Thomas Voigt über das Saxophonforum kennen gelernt, wo wir uns natürlich erstmal sofort gezofft haben. Wir haben uns danndoch noch sehr gut verstanden und später habe ich noch im RealLive bei einem seiner Workshops kennen gelernt. Er ist eine ein echte Koryphäe unter den deutschen Klassiksaxophonisten. Seine Musikerbio liest sich dementsprechend. Von CD aufnahmen, Lehraufträgen und Touren bis nach China. Da sie zu lang ist verweise ich einfach auf sein Profil bei Keilwerth, bei denen er Endorser ist. Was nicht erwähnt ist, dass er ein hingebungsvoller Familienvater, Katzenliebhaber und viel zu viel Online ist.
Freundlicherweise hat er mir für meinen Blog ein paar seiner Lektionen überlassen, die ich jetzt in nächster Zeit veröffentlichen werde. Dafür noch mal ein großes Dankeschön.
Mundstücke sind wie Schuhe
Klingt merkwürdig, ist aber so. Naja, zumindest hat diese Analogie, die ich sehr schön finde, sehr viele stimmige Punkte (naja, wenn man ab und zu ein Auge beim übertragenen Bild zudrückt). Im Prinzip geht es darum, dass Schuhe und Mundstücke beide nur indivduel passen und dass sie nicht zu jeder Gelegenheit passen.
Wenn man ein neues Mundstück braucht – bzw. Schuhe – muß man zunächst in ein Geschäft und dort beginnt das Ausprobieren. Jeder Fuß/Mund ist anders, also braucht man erst die richtige Größe (Schuhlänge/MPCÖffnung). Zu klein und es ist eng und drückt, zu groß und alles rutscht und wackelt. Ärgerlich ist, dass irgendwie jede Firma andere Größenangaben hat, somit alles anders ausfällt und dann gibt es immer noch Umrechnungen zwischen dem metrischen und dem amerikanischem Maß. Beim Mundstück sollte man sich vielleicht etwas mehr Zeit nehmen als bei Schuhen, aber meist merkt man erst nach einer Woche Eingewöhnung „wo der Schuh drückt“. Von blindem Bestellen im Internet ist also abzuraten. Und dann hat man doch meist mehr Geld ausgegeben als man eigentlich dachte und wieder sind 200€ ausgegeben. Nebenbei, wenn man darüber nachdenkt, wer schon vorher alles in den Schuhen seine Füße rein streckte oder ins Mundstück geblasen hat, ist das eigentlich eine ganz schön eklige Angelegenheit.
Zudem passt nicht jeder Schuh zu jeder Gelegenheit. So wie man mit Sportschuhen nicht in die Oper geht, kann man mit einem Guardala (oder einem anderen Metallmundstück mit Stufe und kleiner Kammer) keine Klassik spielen. Somit wäre Leder beim Schuh, Kautschuk beim Mundstück, Kunststoff wäre Metall, Stoff wäre Plastik und selbst der holländische Holzschuh findet sein Pendent. Wie gesagt, die Stufenmundstücke à la Guardala wären wohl Hightechturnschuhe, elgante schwarze Lacklederschuhe wären dann Klassik Mundstücke und die 20 Jahre alten Lieblingsschuhe, die zwar schon total abgetragen sind aber dafür so gemütlich wie sonst keine anderen Schuhe, sind die Vintagejazzmundstücke. Da stellt sich mir die Frage, was wohl die Pendents zu Birkenstock oder FlipFlops sind?
Sind dann Blattschrauben so etwas wie Einlagen? Sind ja quasi extra Andruckplatten für Füße.
Des weiteren habe die Meisten viele Mundstücke/Schuhe in ihren Schubladen und Schränken und benutzen doch eigentlich fast immer nur das eine Paar/MPC.
Die letzte Übereinstimmung ist dann der Geruch, wenn man sein Mundstück nicht ab und zu reinigt.
Equipment vs. Üben
Eigentlich ist die Antwort klar, aber immer wieder höre und lese ich Kommentare, als ob ein Saxophon, das Mundstück oder gar die Oberflächenstruktur der Blattschraube maßgeblich den Sound verbessern. Mir scheint, als würden viele die leider in der Tat epischen Ausmaße jahrelangen Übens unterschätzen. Es reicht nicht aus 4000 Euro ins Equipment zu stecken und ein halbes Jahr ganz begeistert vom neuen Hobby zu sein um wie Coltrane oder Parker zu klingen. Bei einigen kommt dann irgendwann die Ernüchterung und geben entweder auf oder geben erst richtig Gas und sind in 10 Jahren auf Welttournee. Andere stecken weitere tausende Euro ins Equipment und finden jedes mal, dass sie damit deutlich besser klingen und sich die Investition gelohnt hat. Merkwürdigerweise klingt es aber nie wirklich gut. Und dann gibt es noch diejenigen, die gar nichts merken und sich von Beginn an toll finden…
Dem Gegenüber stehen die Puristen: „Equipment macht gar nichts aus“, „Ist alles Geldverschwendung und Geldmache der Saxequipmentfirmen“ und „Finishes, Blattschrauben und Pimpzeugs ist eh nur Voodoo“. Zwar mag es stimmen, dass kein Anfänger mit dem besten Equipment gut klingt, aber wenn das Equipment so gut wie nichts ausmacht, warum spielt dann kein Saxophonist, der gut klingt ein Chinateil für 300 Euro? Es ist ja nicht so, dass Musiker besonders vermögend wären und schon gar nicht die Jazzer.
Wer hat nun recht? Ich meine keine der beiden Seiten, vielmehr meine ich, dass es eine gewisse Unklarheit darüber gibt, was den das Equipment wirklich ausmacht. Ich versuche jetzt mal meine persönliche Einschätzung zu dieser Frage. Sie basiert auf meiner Erfahrung aber letztendlich muß da jeder selber seinen Weg finden.
Bei den Puristen gibt es viele Neider, die Probleme damit haben, dass sich ein Anfänger mit etwas größerem Portemonnaie nach einem halben gleich ein schickes Selmer Reference kauft, während sie selber seit 5 Jahren auch einem Yamaha 32 spielen und kritisieren das Selmer als unnötig und versuchen dem Anfänger die Freunde an seinem neuen Schatz zu verderben.
Andere hingegen hören wirklich keinen Unterschied bei verschiedenen Blattschrauben oder Finishes. Das ist für mich nicht wirklich ein Zeichen von Kompetenz.
Andererseits hören viele der anderen Fraktion wahrscheinlich sogar das Gras wachsen. Persönlich habe ich zwar die Erfahrung gemacht, dass selbst kleinste Sachen eine Wirkung auf den Sound haben können, aber meist sind sie eher von sehr marginaler Natur. Wer da deutliche Verbesserungen hört, wenn er seine Blattschraube grün anmalt, hört wohl eher das, was er gerne hören würde. Auch wenn Silber das Instrument heller klingen läßt, heißt das nicht das jedes versilberte Instrument hell klingt, aber oft kommt es vor, dass gerade ungeübte Ohren sich davon beeinflussen, dass es heller aussieht. Tatsächlich beeinflussen vorgefasste Meinungen sehr leicht das Hörempfinden, also immer kritisch sein beim testen. Worauf ich eigentlich hinaus möchte ist, dass zwar viel einen Einfluss hat, aber oft sind es eher kleinere Unterschiede die eher von geschulten Ohren wahrgenommen werden können.
Viele Unterschiede sind oft nur im direktem A /B-Vergleich zu hören, d.h. ein Publikum wird es nie Wahrnehmen was man nun für ein Equipment spielt und wenn es keine Saxophonisten sind, wird sich auch keiner dafür interessieren. Einige merken zurecht an, dass die natürliche Varianz zwischen zwei Blättern oft größer ist als der Unterschied einer Blattschraube oder des Finish. Jedoch kann der Unterschied zweier gleichen Blätter sehr deutlich sein und Finish und Schraube sind konstante Einflüsse. Also wenn eine Blattschraube eine solche Verbesserung bringt wie ein besseres Blatt, warum nicht? Des weiteren macht Kleinvieh auch Mist. Auch wenn ein Equipmentteil vielleicht nur eine minimale Verbesserung macht, kann die Summe mehrerer Equipmentteilen am Ende schon einen markanten Unterschied machen. Daher kann das Reden über Blattschrauben, Daumenhaken, Finishes u.s.w. schon einen gewissen Sinn machen.
Da stellt sich natürlich die Frage, was hat denn nun wie viel Einfluß? Das Saxophon selber macht bei der Klangfarbe gar nicht mal so viel aus wie üblich gedacht. Mundstück und Blatt machen da sehr viel mehr aus. Allerdings empfinde ich das Saxophon sehr entscheidend bei der Klangqualität. (Was ich mit dieser Unterscheidung meine, kann man hier nachlesen) und auch beim „Charakter“. Das ist meine Empfindung und das kann je nach MPC und Sax auch sehr unterschiedlich sein. Davon mal abgesehen ist beim Saxophon die Qualität bei Langlebigkeit und Verläßlichkeit entscheidend. Ein Saxophon, dass nicht deckt aufgrund schlechter Mechanik, kann einfach nicht intonieren und gut klingen. Daher lohnt es sich beim Sax meistens auch etwas mehr Geld zu investieren und auch deshalb kann ein Selmersax für einen Anfänger durchaus Sinn machen (mehr dazu hier). Es kann frustrierend sein, gegen ein schlecht intonierendes Instrument gegen an zu üben. Wenn man bestimmte Töne extra ausgleichen muß, kostet das Energie, Arbeit und Übzeit. Bei manchen Instrumenten sprechen auch bestimmte Töne schlecht an oder klingen dumpf. Das kann schon mal vorkommen bei billig Instrumenten oder Vintages, aber meist liegt das an einer Schlechten Einstellung, was bei billigeren Instrument deutlich schneller passiert. Kurz, also ja, mit einem brauchbaren Instrument kann man sich tatsäch unnötige Arbeit ersparen und je brauchbarer desto teuer (ist leider wirklich so). Ein Punkt fürs Equipment!
Allerdings liegen die meisten Probleme die auftauchen nicht am Saxophon, wird aber all zu gerne schnell auf das Equipment geschoben. Wie oft habe ich Fragen erlebt, wie „Das und Das funktioniert nicht, was ist an meinem Instrument kaputt“ dabei lag’s nur am falschen Spielen. Da fehlt oft genug Selbstkritik und genau da bräuchte man einen kompetenten Lehrer. Hier definitiv viele Punkte für das Üben!
Ok, zurück zur Soundfrage. Beim Saxophon gibt es meiner Ansicht nach 4 soundbeeinflussende Faktoren (in abnehmender Reihenfolge): Konus, Material, Anbauteile und Finish. Der Konus überschattet alle drei anderen Faktoren. Viele alte Vintages oder auch die BigBellTaiwanesen haben einen breiteren Konus was sich in einem breiteren Klang äußert. Die engere Selmermensur führt zu einem zentrierterem Sound. Das ist wie bei der Trompete und dem Flügelhorn. So würde sich auch die These erklären lassen, dass Instrumente ohne Hoch-Fis besser klingen. Daher halte ich auch das Hoch-G bei Sopranos für fragwürdig.
Bei den Anbauteilen meine ich nicht nur die Klappenöffnung oder die Resonatoren, die sich direkt darauf auswirken, wie der Klang abgestrahlt werden. Tatsächlich wirkt sich auch die Mechanik selber noch auf den Klang aus. Wie schwer und fest das Material der Mechanik ist, wie viel Zeugs an dem Sax dran ist und wie es dran ist hat einen Einfluß. Z.B. der unterschied zwischen einzelne Säulchen (Keilwerth, Sequoia, Vintages) klingen etwas farbiger als ribbed construction (Selmer und alle anderen) was zu einem direkteren Klang führt. So bekommen auch Soundexpander, Klangbogen und Daumenhaken ihren Sinn. Wie die Anbauteile, Material und Finishes klingen kann man hier lesen.
Mundstück und Blatt haben auch einen erheblichen Einfluß auf den Klang, besonders auf die Klangfarbe. Ich sehe das so: im Mundstück werden schon alle Frequenzen gebildet, diese werden durch das Saxophon verstärkt, übertragen, gefiltert und abgegeben. Je nachdem was vorgeben wird und was dann im Sax betont bzw. nicht betont wird können unterschiedliche Mundstück-, Blatt- und Saxophonkombination besser oder schlechter funktionieren. Bei dem Mundstück zählt eigentlich alleine die Kammerform, wie es klingt. Dass das Material direkt einen Einfluss hat, ist eher ein Gerücht. Nur bei der Selbstwahrnehmung macht das einen Unterschied.
Nun fängt der Ton allerdings nicht beim Mundstück an. Nach einem Karuso Zitat „beginnt der Ton beim Arschloch“ (ich weiß nicht, ob es wirklich stimmt, aber ist doch meist bei solchen Zitaten). Der Spieler produziert den Ton, nicht das Equipment. Bei einem Profi macht er selber 90% (subjektive Schätzung) des Gesammtklanges aus. Das hat mit Atmung, Rachenstellung, Ansatz, Luftführung und vielem mehr zu tun. Hier steht da mehr drüber drin und auch wie man das üben kann. Also 10% Equipment und der Rest Übung! Das heißt also, dass man für viel Geld zwar gut klingende 10% kaufen kann, aber das hilft eigentlich nichts, wenn hinter den restlichen 90% nichts steckt. Allerdings kann sich ein Anfänger nicht so einbringen, wie ein Profi, weshlab man sagen könnte, dass das Verhältnis vielleicht bei 60 zu 40 statt 90 zu 10% liegt. Das heißt also, dass sich das Equipment beim Anfänger mehr bemerkbar macht. Also läßt gutes Equipment den Anfänger deutlicher besser klingen als ein Profi. Aber rein schon „rein rechnerisch“ wird es nie reichen, mit dem best möglichen Equipment einen Profi auf Schrottequipment nahe zu kommen. Der Punkt ist, dass Üben nie durch Equipment ersetzt werden kann, wenn man wirklich gut klingen will. Aber es ist für den Hobbyspieler mit Familie und Beruf nicht verwerflich es zu probieren und wenn das Selmer hilft von ekelig klingend bis zu annehmbar töned zu kommen, warum nicht?
Also zählt doch nur üben? Nein! Ich sehe mein Equipment immer auch als Werkzeug Musik zu machen. Und ich will ein gutes Equipment um das beste von mir geben zu können. Damit das so geht muß dass Equipment passen. Nicht jedem passt jedes Equipment gleich gut. Wenn man einen weichen dunklen Sound sucht, wird man sich mit einem Guardala und einm Yamaha 82Z keinen Gefallen tun. Das kann nicht funktionieren. Das heißt, wenn man einen bestimmten Sound realisieren will, brauch man das dementsprechende Equipment und daher ist „DIE Suche“ auch gerechtfertigt. Daher sehe ich das Equipment immer auch als den limitierenden Faktor wenn ich meinen Sound verwirklichen will. Je passender das Equipment um so freier kann ich mich ausdrücken.
Das bezieht sich nicht nur auf den Klang sondern auch auf das Handling. Z.B. sollte die Bahnöffng der Fähigkeiten angepasst sein. Nicht jeder Mund ist gleich; ich persönlich bevorzuge Mundstücke mit flachem Dach, das aber dennoch breit ist (weshalb ich Metall nicht mehr spiele). Man sollte sich mit dem Mundstücköffnung oder der Blattstärke nicht übernehmen.
Blattschrauben machen zwar klanglich eher kleine Unterschiede, aber meist wirken sie sich auch deutlich positiv auf die Ansprache des Blattes aus (im Vergleich zum 08/15 Teil). So kann man sich auch etwas das Leben erleichtern.
Wie schon erwähnt nehmen Fortgeschrittene und Profis solche kleinen Unterschiede deutlicher wahr. Zudem können sie aus dem Equipment auch deutlich mehr ausreizen. Das heißt also, dass die Equipmentfrage also mehr Bedeutung hat als für einen Anfänger oder Hobbyspieler. Zudem beschäftigt er sich viel intensiver mit der Musik und seinem Sound und muß dann natürlich irgendwann auch mal mit jeder Kleinigkeit auseinander gesetzt haben um ein Optimum erreichen zu können.
Einen letzten Gedanken möchte ich noch anführen. Viele sagen, dass diese Materialschlachten auch viel zu teuer sind. Da bin ich etwas geteilter Meinung. Wenn mir ein Mundstück hilft dem näher zu kommen wie ich klingen oder eine Blattschraube die Ansprache verbessert könnte ich statt jetzt das Geld auszugeben natürlich auch üben. Allerdings Üben kostet Zeit und Zeit ist Geld. Ich hätte in der Übzeit, die ich bräuchte, die Vorzüge einer theoretischen Neuanschaffung zu kompensieren auch Arbeiten können und Geld verdienen. Da kann also jeder persönlich mal ausrechnen, ob das Equipment wirklich teurer als die „eingesparte Übzeit“ ist. Nein, ich will jetzt nicht wirklich sagen, dass Equipmentkauf Üben erübrigt oder das das Zeug nicht wirklich teuer ist (eigentlich ist es unverschämt teuer). Es kann aber eine kleine Abkürzung sein, aber selbst Abkürzungen müssen gelaufen werden!
Equipment kann nie Üben ersetzen, aber Neues kann motivieren mehr zu üben (jeder kennt das Phänomen bei neuem Spielzeug) und auch befreien. Sehr oft habe ich festgestellt, dass ich beim Upgrade des Material ich selber auch noch einen Sprung gemacht habe. Wie gesagt, wenn das Equipment besser passt, kann man sich freier entfalten.
Was ist also das Fazit. Ich meine, der Equipmentkrieg ist nicht überflüssig darf aber nicht als Selbstzweck dienen und das beste Equipment nützt nichts, wenn man nicht fleißig geübt hat. Ich weiß, das Üben nervt, aber es wäre doch auch frustrierend, dass jeder mit genug Geld der nächste Charlie Parker sein könnte. Es ist doch viel fairer, dass jemand mit Talent, Fleiß und Ehrgeiz, auch wenn er kein dickes Portemonnaie hat, ein Saxgott werden kann.
Wenn der S-Bogen Kork zu dünn ist und das Mundstück wackelt…
Das Problem ist bekannt; mit der Zeit nutzt sich der S-Bogen Kork ab oder das neue Mundstück ist einfach etwas weiter gebohrt und wackelt.Viele Saxophonisten klatschen dann Papier drum, das ist aber oft sehr suboptimal und bei einem Saxdoc kostet ein neuer Kork ca.15 Euro. Ärgerlich, wenn er ansonsten noch OK ist.
Wenn der Korken nur minimal zu dünn ist kann es bei Natürlichem schon reichen, diesen für eine Stunde ins Wasser zu legen. Der Kork quillt auf und wird wieder etwas dicker.
Wenn das nicht reicht, bin ich vor einiger Zeit auf eine deutlich bessere Lösung als gängige Papier bekommen, die sich sogar als echte Langzeitalternative erwiesen hat:
Leukosilk!
Das ist dieses weiße medizinische Fasertape aus der Apotheke.Die Struktur ist ideal, es bietet genug Grip, dass das Mundstück fest sitzt aber sich bequem auf- und abziehen läßt. Es gibt die Feuchtigkeit an den Kork weiter und versifft daher nicht. Es läßt sich rückstandslos entfernen ohne den Korken zu beschädigen und sorgfältig aufgeklebt haftet das Teil ewig.
Man kann es sogar wie den Kork selber fetten.
Nun eine kurze Anleitung, wie man es am geschicktesten anklebt:
Zunächst einmal sollte der Kork selber trocken sein, damit es vernünftig klebt.
Je nachdem, ob ihr die breite oder schmale Rolle habt reichen ein bis drei Streifen. (bei mir haben sich bis jetzt immer 2 Streifen als ideal erwiesen, es hat ideal gehalten und unter dem Mundstück hat nichts rausgeschaut, es sieht also sogar besser aus, als die Papiervariante).
Sorgfältig und stramm klebt ihr den Streifen gerade drauf (nicht schlängelnd). Einlagig reicht.
Solltet ihr zwei Streifen kleben, so rate ich, dass ihr so klebt, dass der obere Streifen leicht über den unteren überlappt (so kann der Taperand nicht von dem Mundstück runter gezogen werden).
Zudem sollten beide Enden in die gleiche Richtung zeigen und das Mundstück sollte dann die ersten male behutsam in die gleiche Richtung drehend aufgeschoben werden. (damit die Enden des Tapes vom Mundstück nicht verschoben werden).
Nach dem anbringen solltet ihr es jedoch erstmal ein wenig ruhen lassen und dann später das Mundstück (wie oben bereits erwähnt) drehend vorsichtig aufschieben. Mit dem Mundstück drauf legt ihr es über Nacht so zur Seite.
So hält das Tape deutlich besser und länger.
PS: Ja, der S-Bogen auf dem Photo hat ein P-Ligging.
Literaturempfehlungen
Hier eine kleine Liste von Büchern und Noten, die ich für sehr hilfreich, lesenswert oder essentiell für den Saxophonisten halte. Auch wenn wenn heutzutage gerne mal kopiert, gescannt, geteilt, verschickt, downgeloaded, geshared oder sonstiges nicht ganz legal vervielfältigt wird (manchmal vielleicht sogar gefühlt moralisch zu recht, bei den horenden Preisen) gibt es doch immer ein paar Sachen, die des reellen Kaufens lohnen. Also bitte ab und zu und gerade für die guten Sachen etwas Geld auch diesen Teil der Industrie zu gute kommen lassen.(Das Photo dient als Beweis, dass sich im meinen Besitz auch diverse gekaufte Literatur befindet) Deshalb habe ich ganz comfortabel für das gute Gewissen gleich die passenden Amazonlinks gegeben.
Auch dieser Artikel wird wahrscheinlich ab und zu noch von Ergänzungen heimgesucht, also könnte sich wiederhohltes reinschauen ggf. lohnen. Falls Ihr selber noch etwas empfehlen habt, fühlt euch freu es als Kommentar zu teilen.
Der persönliche Saxophonsound
von David Liebman
Dies dürfte wahrscheinlich die Soundbibel sein. Hier steht alles das drin, was in den meisten Saxophonschulen fehlt. Sehr ausführlich werden die verschiedenen soundbeeinflussenden Faktoren (Hals, Rachen, Zunge, Ansatz, Spielweise) behandelt. Auch gute Übungen für Intonation und Soundentwicklung sind beinhaltet, allerdings ist dies kein Anfängerlesestoff.
Top-Tones for the Saxophone: Four-Octave Range
von Sirgurd Rascher
Back to the Roots! Eigentlich steht wenig drin, aber was drine steht ist essentiel. Übungen nicht nur für das erreichen des Altissimos sonder auch zu Soundbildung und Intonation. Mit den paar Übungen kann man sich Jahre beschäftigen und sie sind das beste, was ich dazu kenne.
Die neue Jazz-Harmonielehre
von Frank Sikora
Das mit Abstand beste Theoriebuch. Eine frische herangehensweise an die „leidige“ Theorie. Es wird wert darauf gelegt, dass man das Trockene hörtechnisch versteht und anwenden kann. Zudem ist es so flüsslig und angenehm geschrieben, dass man es auch fast nachts im Bett durchlesen könnte. Zudem ist es auch so umfangreich, dass man es gut zum Nachschlagen benutzen kann.
Jazz Saxophone Duets
von Greg Fishman
Diese Duette, die eigentlich Etüden sind finde ich klasse. Die Stücke sind zwar kurz, aber taugen für den fortgeschrittenen Anfänger als perfkete Etüden für eine ordentliche Jazzstilisitk und Swingphrasieung. Die meisten Stücke sind auch recht flott, sind also auch für erfahrene Saxophonisten interessant und machen wirklich Laune, vor allem wenn man sie mit dem Lehrer spielen kann. Zusätlich gibt es noch CDs mit wirklich guten Playalongs. Die Changes sind aber (auch aufgrund des Tempos) schon etwas fordernd. Alle Kombinationen (2Altos, 2Tenor oder 1Alto+1Tenor) sind möglich.
14 Jazz & Funk Etudes. Tenorsaxophon, Sopransaxophon, Klarinette
von Bob Mintzer
Die wahrscheinlich geilsten Etüden, die es gibt. Sie grooven und machen richtig Spaß, wenn man sie kann. Allerdings ist es auch harter Tobak. Nur für Fortgeschrittene. Beachtet, dass es verschiedene Ausführungen für C, B und Es gibt.
Maiden Voyage
und alles andere von Aebersold.
Eigentlich klingen die Aebersoldplayalongs schrecklich. Eigentlich nur etwas besser als das Midigedudel von Band in a Box. Das liegt wahrschlich daran, dass es Massenware ist, allerdings ist dies auch der große Vorteil. Hier bekommt man echte Playalongs von den wichtigen Standarts geboten. Ich finde es immer wieder etwas frustrierend, wenn ich in Saxophonschulen Stücke mit Playalongs habe, die nur ähnlich sind wie die echten Standarts. Einfach in der Masse (weit über 100 Bände) das gewünschte rauspicken. Einige Bände sind von der Stückauswahl besser als andere. Maiden Voyage ist der Klassiker (Sumertime, Cantaloupe Island, Autumn Leaves, Song for my Father usw). Allerdings kommt es oft vor, dass man aus einem Heftchen mal nur ein oder zwei Stücke mal kurz üben möchte, da kann man sich schon mal überlegen, ob sich die „moralische Verwerfung“ des „sich mal leihens“ nicht vielleicht doch lohnt.
The Real Book – Volume I: C Edition (Real Books (Hal Leonard))
Das mit den Fakebooks ist so eine Sache; es gibt zig Verschiedene und keines ist wirklich das Ultimative. Wenn man regelmäßig auf Sessions geht, sind Realbooks heutzutage unerläßlich. Leider haben nur selten alle Musiker die gleichen Fakebooks und somit haben nicht alle Musiker die gleichen Stücke darin und oft sind, selbst wenn das gleiche Stück ist, die Versionen davon absolut inkompatibel. In allen Büchern strotzt es vor „Fehlern“.
Das Real Book Volume I ist wahrscheinlich das verbreiteste. Leider ist die Stückauswahl inzwischen etwas altbacken, aber dürfte zu allem am kompatibelsten sein. Und da man nicht sicher gehen kann, was die anderen Musiker mitbringen, kann man nur sicher gehen, wenn man das Fakebook gleich in allen drei Tonarten kauft. Zwar kursieren die Fakebooks auch zuhauf piratentechnischerweise als pdfs (mit schwankender Scanqualität) auf, allerdings habe ich noch nie eine Musiker auf einer Session oder Konzert seine Noten vom Laptop lesend gesehen.
Jazz
von Ken Burns
Diese 12 teilige Dokumentation (4DVDs) über die Geschichte des Jazzs ist wirklich sehenswert. Tolle Aufnahmen, faszinierende originale Photos und kompetente und bekannte Interview Parter. Neben interessanten Anekdoten zieht sich vor allem die Unterdrückung der Schwarzen wie ein roter Faden durch diese Dokumentation.
Fleisch ist mein Gemüse
von Heinz Strunk
nicht nur aber gerade für Musiker. Ein schreiend komisches Buch und eigentlich genauso tragisch. Jeder der ernsthaft überlegt, mit Musik sein Geld verdienen zu wollen, sollte dieses Buch gelesen haben. Tiefe Einblicke in das echte „Muckerleben“. So lustig und traurig ist nur die Realität.
PS: Die ganzen Amazonlinks sind kein Zufall, denn ich habe mich dort als Affiliate angemeldet. Das heißt, wenn ihr tatsächlich über diese Links einkauft, unterstützt ihr damit direkt diesen Blog.







